Geschichten sammeln…im Club International

– Wo sich Menschen, Kunst und (Anti-)Rassismus begegnen –

Gerade erst zurückgekommen vom Teamwochenende des Club International Stuttgart. Die Tasche ist noch nicht ausgepackt, der Kopf immer noch halb in Bayern und viele Eindrücke und Fotos sind neu im Gepäck.

Zwei Tage lang haben wir Ehrenamtlichen aus Stuttgart gemeinsam mit unseren „Kollegen“ aus München Workshops besucht: Interkulturelle Kommunikation und Rassismus wurden aus neuen Blickwinkeln betrachtet und wild diskutiert. Was ist eine „kulturelle Brille“? Wer hat denn bitte keine Vorurteile? Und was hat das überhaupt mit unserer Arbeit zu tun?

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Das Stuttgarter und Münchner Club-Team auf Weiterbildung!

Doch erst nochmal einen Schritt zurück:
Beide Clubs gehören zum Verein für Internationale Jugendarbeit e.V.. Sie verstehen sich als Treffpunkte für junge Erwachsene und bieten vor allem Menschen, die neu in der Stadt und neu im Land sind, einen Ort zum Ankommen und Weiterkommen. Das Programm besteht aus informativen Abenden – zum Beispiel zum Thema Studieren in Deutschland -, aus künstlerisch-kreativen Workshops, aus Veranstaltungen, die Raum bieten zum Austausch und aus Ausflügen, mit denen sich die Stadt und Umgebung erschlossen werden kann. Der Club ist dabei nicht nur Anlaufstelle, sondern auch ein Aktionsraum für alle, die mit Ideen und Energie kommen und lebt und verändert sich deshalb mit den Menschen.

(Einen Eindruck davon, wie das in Stuttgart konkret aussieht, kann man hier bekommen: https://www.facebook.com/Club-International-Stuttgart-1570702693145866/timeline?ref=page_internal .)

Jetzt wieder zum Wochenende:
Mit 22 Ehrenamtlichen aus über acht Ländern kann das Thema Rassismus nur lebhaft diskutiert werden. Alle haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, aber es gibt auch gemeinsame Grundhaltungen. Zur Anregung haben wir uns die Aufzeichnung eines Vortrags angeschaut, der mich persönlich beeindruckt hat und der die Frage aufwirft, welche Rolle künstlerische Ausdrucksformen spielen können beim Entstehen von rassistischen Zuschreibungen und Vorurteilen.
Chimamanda Adichie ist Schriftstellerin und spricht in ihrer Rede unter anderem davon, wie Literatur ihr Weltbild mitgeformt hat und wie die Geschichten, die uns erzählt werden – von Gesprächspartnern, in Romanen, Filmen, Theaterstücken… – unser Bild von dem, was außerhalb unseres Erfahrungsbereichs liegt, bestimmen.
Dem kann man kaum widersprechen. Was einem nicht begegnet oder passiert ist, kann man erstmal nicht kennen. Die Möglichkeit durch den Erfahrungsschatz Anderer zu lernen, nehmen wir aber ständig in Gebrauch. Unterschiedliche Erzählungen ergänzen sich in unserem Kopf zu einem Gesamtbild. Problematisch wird das dann, wenn die Geschichten sich nicht mehr voneinander unterscheiden. Wenn sie, anstatt neue Aspekte beizutragen, immer wieder die gleichen Inhalte reproduzieren. Und wenn es die Geschichten einiger Wenigen über die ´Anderen` sind.
Adichie nennt das die Gefahr der „Single Story“. Vorurteile, die so entstehen, müssen nicht zwingend unwahr sein, aber sie zeigen in jedem Fall ein unvollständiges Bild.

Kunst und Kultur kann das provozieren, aber dem auch ebenso gut entgegen wirken. Vielfalt in der Kunst – bei den Inhalten, wie den Formen und auch den Kunstschaffenden – stellt sich einseitigen Darstellungen entgegen. Ob ein Werk oder ein Projekt – beispielsweise ein Theaterstück mit Geflüchteten – in die eine oder andere Richtung wirkt, kann nur im Einzelfall geklärt werden.
Für unsere Arbeit im Club stellt sich die Aufgabe, Geschichten zu sammeln und zum Geschichtensammeln anzuregen!

Die ganze Rede ist hier als Video veröffentlicht: https://www.ted.com/talks/chimamanda_adichie_the_danger_of_a_single_story?language=de